Buchdrucker-Story

Message aus dem Woodwide-Web

Ganz oft finden sich im Wald Rindenstücke, Äste oder Baumstämme mit beeindruckenden Vertiefungen, deren auffallender grafischer Charakter sehr faszinierend ist – so als wären da mysteriöse Künstler am Werk gewesen: 

Diese Spuren stammen von den hier heimischen, verschiedenen Borkenkäfer-Arten. Zwei davon heißen Buchdrucker und Kupferstecher – wohl weil ihre Fraßspuren entfernt an gedruckte Zeilen erinnern.

Uns faszinieren diese Spuren jedesmal, wenn wir ihnen im Wald begegnen – sie sind echte Eyecatcher, wie von gewitzten wilden Grafikern aus dem Insektenreich.

Die Borkenkäfer werden allgemein eher als Schädlinge beschimpft. Für uns ist die ganze Geschichte um den Borkenkäfer – sein Lebensraum, seine eigentliche Aufgabe, sein Wirken, und was der Mensch mißverständlicherweise davon hält – eins von sehr vielen Beispielen, durch die wir ein besseres Verständnis der natürlichen Kreisläufe und Zusammenhänge gewinnen können.

Die Basics über Borkenkäfer kann man in Wikipedia u.a. nachlesen.

Die Frage, WARUM der Borkenkäfer denn so „gerne“ Baumbestände angreift und die Gewinne aus der Holzernte gefährdet, wird dagegen kaum gestellt.

Das Ignorieren von Ursache und Kontext ist Knackpunkt.
Der Mensch handelt, häufig aus Gewinnstreben (oder/und Unwissen), ignoriert den zugehörigen naturgegebenen Kontext und bleibt damit in der Symptombekämpfung stecken. Zum kurzfristigen monetären Vorteil, und zum langfristigen Nachteil der betroffenen Natur  – und somit letztendlich auch zum Nachteil von Mensch und Tier.

Die Aufgabe des Borkenkäfers ist es, für gesunden Baumbestand zu sorgen (!)
Dies tut er, indem er in bzw. unter der Rinde von geschwächten Bäume lebt, die Weibchen graben dort Muttergänge, in die sie ihre Larven ablegen. Diese graben weitere Gänge, an deren Ende sie den Baum wieder verlassen – so entstehen die charakteristischen Fraßspuren und faszinierenden Muster innen in der Baumrinde und den Oberflächen von Stamm und Ast, die in den ersten drei Fotos weiter oben gut zu sehen sind.
Dabei schädigt der Borkenkäfer die Holzoberfläche, oder der Baum stirbt ab – beide Fälle bedeuten geringere Verkaufspreise des Holzes.

Bäume an passenden Standorten jedoch – also dort, wo sie optimal nährstoffversorgt sind, weil Boden und Klima ihren Bedürfnissen bestens entsprechen – sind meist gesund und können sich,  z.b. die Fichten durch Harz, gut gegen Borkenkäfer wehren.
Gesunde Bäume werden von Borkenkäfern meist nicht zum absterben gebracht.
Einzelne Borkenkäferarten jedoch bringen bereits geschwächte Bäume zum Absterben – und schaffen damit Raum für die Neuansiedelung von Bäumen, die diesem Standort besser angepasst sind. Und die Borkenkäfer schaffen damit zugleich Totholz, was wiederum einen wichtigen Lebensraum für viele Tier-und Pflanzenarten und somit ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems Wald darstellt.

Das Problem bzw. dessen Ursache besteht darin, dass der Mensch grosse Baum-Monokulturen, z.B. Kiefernmonokulturen in Brandenburg, oder Fichtenmonokulturen im Süddeutschen Raum, angelegt hat, um die Holzernte effizienter und somit gewinnmaximierender zu gestalten.

Die dafür gewählten Standorte und auch die Bepflanzungsweise der Monokultur selbst sind nicht optimal für die Bäume, beides sind unnatürliche Zustände, welche die Bäume per se schwächen, so dass sie sich schlechter gegen Borkenkäferbefall wehren können – so entsteht genau das, was der Borkenkäfer braucht.
Lange schon ist die Luftverschmutzung ein weiterer Faktor, der die Bäume schwächt. Seit einigen Jahren schwächt auch die Klimaerwärmung die Widerstandskraft der Bäume, während die langsam steigenden Temperaturen die Vermehrung der Borkenkäfer beschleunigen. Sturmschäden, Windwürfe und klimatische Extreme wie lange Hitze- oder Trockenperioden gelten als Ursache für Borkenkäfer-Massenvermehrungen.
Alles zusammen sind ideale Bedingungen für Borkenkäferbefall – auf diese Weise hat der Mensch selbst Borkenkäferbiotope geschaffen.

Der Borkenkäfer per se ist kein Schädling sondern ein Nützling, indem er geschwächte Bäume ‚aussortiert‘ und somit Lebensraum und Platz schafft für gesünderen Neubewuchs. Das Phänomen der Borkenkäfer-Massenvermehrung und der Kampf des Menschen gegen beides ist eine klare Warnlampe, ein deutlicher Hinweis darauf, was falsch läuft. Im Umkehrschluss macht dieses Beispiel  deutlich, wie die Lösung aussehen müsste: nicht wider die Natur zu handeln, sondern gemäß ihren Bedingungen.
Hier können wir Menschen hinzulernen, die natürlichen Bedürfnisse der Bäume zu achten. Indem er zur Profitwahrung dem Borkenkäfer den Krieg erklärt, entsteht ein einseitig bis falscher Blick auf die Zusammenhänge und verhindert einen bewussten, nachhaltigen Umgang mit der Natur.
Wir Menschen müssen daraus lernen und müssen konsequent unseren Umgang mit der Natur ändern, indem wir ihren Bedingungen folgen, anstatt der Natur zuwiderzuhandeln. Das gilt im weiteren Sinne auch für den Umgang mit unserer persönlichen, eigenen Natur. Wenn wir unserer eigenen Natur zuwiderhandeln, uns zu sehr verstellen oder verbiegen, kostet es mehr Kraft als es uns gibt, Erfolg stellt sich kaum oder nur unter großen Mühen ein, wir werden unglücklich und auf Dauer krank. Insofern steht die Buchdrucker-Story symbolisch auch dafür, unsere eigene, innere Natur zu bewusst und achtsam zu respektieren und gemäß ihren Bedingungen zu handeln.

Die Buchdrucker-Story zeigt die erstaunlichen Spuren von Buchdrucker und Co. und würdigt ihren wilden Daseins-Zweck.
Würden wir Menschen die natürlichen Zusammenhänge und Wirkkreisläufe im Ökosystem Wald besser kennen, und die natürlichen Bedingungen des Lebens respektieren indem wir sie NATURGEMÄSS nutzten, anstatt sie zu ignorieren oder sogar in Unwissenheit gegen sie anzukämpfen, wäre das ein lebensrettender Schritt im gesunden Umgang mit unserem Planeten und allen Mitwesen. Und uns selbst.

Unten sehen Sie zwei Skulpturen der Serie „Buchdrucker-Story“