Upcycling

Und die häßlichen 2D-Entlein

Gelegenheit macht Inspiration

Neulich im Secondhand-Laden sahen wir uns zum ersten Mal, und wie das so ist bei dem üblichen Liebe-auf-den-ersten Blick-Dings… Er war einfach unwiderstehlich. Klar nahm ich den armen Tropf mit nach hause.
„Er“ ist ein ziemlich grosser Wurf an achtlos bearbeiteten und völlig verpixelten Fotografien auf Holz. Irgendwo in einer seelenlosen Serienfertigung mußten sie wohl unter die Räder gekommen sein… keiner wollte sie mehr haben, und so hat man sie dann einfach abgeschoben, sozusagen zum sterben ausgesetzt. Noch nicht mal ein Copyright oder der Urheber selbst wurde vermerkt.
Für mich war die ganze Rasselbande ungeschlachter 2D-Entlein wie ein frisches Beet, in dem was Neues wachsen kann:
Erstmal mit Liebe die Oberfläche kreativ und vielfältig auflockern, dann neue Ideen hinein, frische Farben und Formen darauf und alles Schicht um Schicht sachte weiter wachsen lassen.

Das ist die bildhafte Kurzversion über die Entstehung der Serie „Upcycling“.

Ja, auch so kommen Bilder auf die Welt.
Oder wie im Fall der Serie „Upcycling“, entstehen sie sozusagen auf den Schultern des Alten.
Der kreative Prozess war hierbei – im starken Kontrast zu früheren, akribisch durchkomponierten Arbeiten – ein experimentelles, spontanes Ausprobieren mit verschiedenen Kratz- und Schleifwerkzeugen und verschiedenen Arten von Farbe.
Die Oberflächen der einzelnen Bilder ist gezielt mit tiefen Kratzern, Schleif- und sonstigen Arbeitsspuren durchgearbeitet.
Ja, ich weiss, macht man normalerweise eigentlich nicht. Zumindest nicht mit Fotografien. Egal worauf sie sich befinden.
Deshalb wurde es auch mal Zeit, das auszuprobieren.

Entsprechend war die Bearbeitung – auch sprichwörtlich – eine eindrückliche und aufschluss-reiche Erfahrung.
Das ist auch beim Betrachten und Wahrnehmen so.
Mechanischer Eindruck wird zum materialhaften Ausdruck, hier kratzt was tief rein, da stülpt sich was raus, an anderer Stelle ist die Oberfläche textilhaft wie Velours. Dazwischen sind farbige Grenzen oder goldglänzende Verbindungsadern.
Entstanden sind leicht reliefartige Oberflächen in relief-unüblichen Erscheinungsformen.

Teilweise sind die zugrunde liegenden Fotografien noch verblasst sichtbar und zeigen sich als vorangegangene visuelle Generation, die den Boden bereitet für neue, auf ihr gewachsene Flächen und Formen. Teilweise öffnet sich die Bild-Oberfläche, bildet faserige Ränder und gibt den Blick frei auf das, was darunter bzw. darin entsteht.
Die frühere glänzende Fotooberfläche ist weitgehend matt geschliffen und meist sogar bis auf den faserigen, papiernen Untergrund abgetragen. Auf diesem Fasergrund sind Aquarellfarben in mehreren Schichten übereinander aufgetragen. An anderen Stellen sind es Pastellkreiden, die in die Kratzer und Fasern eingearbeitet sind, teilweise wieder abgetragen oder mit weiteren Farbschichten überlagert wurden.

Bisher sind vier Bilder entstanden, die Serie und somit der Verwandlungsprozess selbst geht weiter, denn es warten noch acht weitere der Secondhand-Bilder auf ihr „Upcycling“.

Neue Upcycling-Bilder bestellbar

Die unten gezeigten Bilder der Serie sind inzwischen ausverkauft. Sie hätten gerne ähnliche? Hier können Sie Ihr persönliches Werk bestellen. Die Upcycling-Serie geht weiter, aber in limitierter Auflage.