Making of: Maske # 3

Einblick in die plastische Atelier-Arbeit
Wie entsteht ein Wildholzobjekt?

Hier erfährst Du, wie die „Maske  #3“, das größte der Naturobjekte aus der Masken-Serie, entstanden ist.
Die Entstehung ist bei den verschiedenen Wildholz- und Naturobjekten immer etwas unterschiedlich.

Wie die Ideen dazu entstehen gleicht sich allerdings:
Es ist die spontane tiefe Freude über die Schönheit, Zartheit, Stärke, Verwobenheit und Komplexität der Natur und ihrer Interaktionen, die sich mir immer wieder in einzelnen Naturobjekten zeigt.
So war es auch bei allen Ästen aus der Masken-Serie. Ihre Form war für mich unwiderstehlich, wie Du im nächsten Abschnitt lesen wirst.
Von dieser Freude und dem Berührtsein lasse ich mich leiten und gehe intuitiv weiter vor.
Oft weiß ich anfangs nicht, wo mich dieser Prozess des Sich-Einlassens hinführen wird.

Warum diese Äste, warum der Draht?

Auch hier ging ich meiner Freude für die Formen der Äste nach. Die Bewegtheit und der Schwung, die Verwirbelungen des Holzes wollte ich mit meiner Arbeit berühren.
Als ich die Äste fand, hatte jemand sie bereits vom Baum abgeschnitten und achtlos in den Wald geworfen. Diese Gleichgültigkeit, Respekt- und Achtlosigkeit schmerzte mich.
Daher nahm ich einige dieser Äste mit, um sie und ihre Besonderheiten zu würdigen, zu betonen und zu zeigen. Als Symbol für  – oder besser gegen – die Millionen Mißachtungen, die die Menschheit ihren Mitwesen antut.
Es war wirklich eine Herzensentscheidung. 

Ich wollte die Unmittelbarkeit des Naturobjektes – ein früher einmal lebendig gewesener Teil eines Baums – zeigen und verwenden.
Anstelle dem in der bildenden Kunst klassischen, bevorzugten Weg des Gußverfahrens oder anderer Wege, um die Natur zu verkünstlichen.
Ich wollte kein Abbild des Astes, ich wollte den originären Überrest eines realen Lebenwesens. 

Ich begann ein intuitives Arbeiten und fand Kupferdraht in seinem warmen, weichen Charakter und sanften Glanz stimmig um den Charakter der Äste zu betonen, ihnen Glanz und Schutz zu verleihen und deren runde Bewegtheit hervorzuheben.
Ich erlaubte mir, die Arbeit vorher nicht zu zerdenken und analytisch zu sezieren.
Ich machte einfach. Ging meinem Gefühl nach und wickelte den Draht um die bemerkenswerten Formen der Äste. Ich wollte sie damit hervorheben, würdigen, verdeutlichen. Ihre Fragilität schützen.

So umkreiste, erlebte und ertastete ich jeden Millimeter des Holzes. Von stark bis zerbrechlich dünn.
Die Fotos zeigen Dir viele Arbeitsetappen.

Letztlich spiegelt, bzw. erzählt mir auch diese "Maske" eine Menge über's Menschsein

Da wird aus einer Schutzmethode eine Maske, und die Maske wird zur Fessel.
Die Maske jedoch hebt hervor, betont, anstatt zu verdecken.

Wie der Satz „Nimm Dir doch nicht alles immer so zu Herzen“.
Also versucht man als feinsinniger Mensch, sich abzuhärten, das eigene Berührtsein zu unterdrücken. Man tut so, als wäre man hart. Setzt sich eine Maske der Unberührbarkeit auf. Um sein empfindsames Naturell nicht weiteren Angriffen auszusetzen.  Damit fesselt man sich selbst, man unterdrückt seine Empfindsamkeit und spielt etwas vor.

Die Fessel macht einen starr, die Selbstverleugnung verhindert die eigene Lebendigkeit.

Bemerkenswert finde ich bei der Masken- Naturobjekt-Serie die Tatsache, dass selbst die metallene Fessel nicht verhindert, dass etwas abbricht – sie ist als Schutz gedacht, und kann dennoch vor Verletzung oder teilweisem Verlust der eigenen Essenz nicht schützen.